Typisch Lhasa - Erfahrungen von C. Herbel
Einige Lhasas sind viel zu freiheitsliebend, um eingesperrt zu werden und
wenn sie im Zwinger gehalten werden, irren sie dort herum, wie große Raubkatzen 
im Zoo. Diese Charaktere sollten am besten als Liebhaberhunde frei
im Hause gehalten werden, so wird dann auch ein überaktives Verhalten, deutlich 
sichtbar während der Zwingerhaltung, in freier Haltung bald verschwinden.
Der Lhasa wird wieder zu seinem ausgewogenen, nicht fordernden Temperament
zurückfinden.
Andere Lhasas wiederum fühlen sich wohl in ihrem Zwinger oder Käfig, weil
sie sich sicher fühlen und sie liegen dort zufrieden, selbst, wenn die Tür
offen steht.
Das hygienische Verhalten und Empfinden des Lhasas kann immer variieren. Da
haben wir das eine Extrem: den zimperlichen Lhasa, der es nicht mag, bei Nässe
nur einen Schritt vor die Tür zu setzen, er scheint eher auf dem Wasser zu
spazieren, als in ihm. Genau derselbe Typ ist äußerst beleidigt, wenn ein
wenig Kot in seinem Haar geblieben und wird es Sie sofort, mit 
unmißverständlichen Gebärden wissen lassen.
Der gegenteilige Lhasacharakter kann es bei Regen und Schnee nicht erwarten,
im Matsch herumzuraten oder solange im Schnee zu toben, bis ihn die kleinen
Schneeklumpen völlig am Laufen hindern und er hereinkommen muß, damit sie 
abtauen. Diese Typen scheint ein ein wenig verschmutztes Hinterteil wenig zu
kümmern und sie neigen dazu, nach jedem Frisieren, alles sofort wieder 
"umzuordnen", um den alten Zustand möglichst schnell wiederherzustellen.
Der Erstbeschriebene wird sein Schlafquartier makellos halten, der andere
aber fühlt keine Schuld, wenn er sein Lager verwüstet und ihn interessiert
all das Gezeter und Geschrei wegen seiner Unsauberkeit äußerst wenig.
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Ich habe die freundlichen Lhasas, die meinen alle Menschen und Tiere seien
wunderbar. Diese Lhasas wollen in gleichberechtigter Stellung leben und spielen. 
Ich kenne aber auch die, die meinen, sie gehörten an die Spitze der
Rangordnung. Sie gehen auf jeden, der dies nicht akzeptiert, wütend los. Ein 
Zusammenleben mit den Ersteren bereitet mehr Freude, aber ich glaube, daß wir
einige von den "Bossen" brauchen, um das Wesen fest und typisch zu erhalten.
Einige Lhasas, wie ja auch einige Menschen, haben einen besonderen Sinn für
Humor. Es scheint, als spielten diese Lhasas irgendwelche Tricks bei uns aus,
um dann lachend wegzurennen. Andere zeigen guten Humor wenn man sie verkleidet
oder schmückt. Sie müssen einige Komik in den verschiedenen "Apparätchen" und
Haargestaltungen sehen, mit denen die Menschen ihr Haar behandeln um ihnen
ein bezaubernderes, auffallenderes Aussehen zu verschaffen.
Auf der anderen Seite haben einige gar keinen Sinn für Humor und sind sehr
ernst. Diese Typen nähern sich jeder Situation ernsthaft und man scheint sie
niemals "lächelnd", oder auf die Art spielen zu sehen, wie ihre humorigen
Verwandten.
Wenn jemand ein typisches Hundewesen sucht, durch das ihn sein Hund in der
Kindheit erfreute, ist es möglich, daß er das Lhasawesen nicht versteht, wenn
es ihm nicht erklärt wird. Hatte er eine Katze, dann besteht die Chance, daß
er das Lhasatemperament mögen wird.
Ich kenne Menschen, die mit Lhasas nicht auskommen, weil sie das unterwürfige
Wesen lieben, typisch für die meisten anderen Rassen. So lernte ich ebenfalls
Menschen kennen, die beleidigt waren, weil der Lhasa einfach die Wünsche des
Menschen ignorierte und nicht überredet werden konnte, mit dem Schwanz zu
wedeln, glücklich lechzend, daß ein Mensch Freundschaft mit ihm schließen
wollte. Und ich habe Menschen gesehen, deren Gefühle tief getroffen wurden,
weil ein Lhasa sie nicht mochte. Der Lhasa ist wahrlich ein Begleithund, aber
er sieht den Menschen als Gleichwertigen, nicht als Herrn.
Meine Fox Terrier sind völlig niedergeschmettert, wenn ich sie wegen einer
Missetat schelte und machen den Fehler gewöhnlich niemals wieder. Meine Labrador 
Retrievers tragen immer Versöhnungsangebote im Maul zu mir, in vollkommener 
Gehorsamkeit auf meine nächste Forderung wartend. Der Deutsche Schäferhund 
winselt, wenn er gerügt wird und geht sicher, daß er nicht ein zweites
Mal für den gleichen Fehler bestraft wird.
Nun aber die Lhasas: Sie werden sich immer ihrer jeweiligen Persönlichkeit
entsprechend verhalten und ich bekomme dementsprechend die unterschiedlichsten 
Reaktionen. Einige werden beim Hören einer Rüge sofort stocktaub. Sie
ignorieren den Wortschwall von "böse Hunde, warum habt ihr das getan?"
vollkommen und selbst ein Stampfen mit dem Fuß und Erheben meines Fingers
wurde ihre Beachtung nicht wecken.
Andere schmeißen sich sofort auf den Rücken, um damit anzudeuten, daß ich sie
ihr gesamtes Leben lang nur geschlagen habe. Dies besonders dann, wenn wir
Gäste haben.
Einige rennen weg und schnappen nach einem Lhasakameraden, der von niederem
Rang ist. Und dann gibt es noch diejenigen, die ankommen und sich entschuldigen 
wollen, versuchen die ganze Angelegenheit vergessen zu machen mit
einem Wirrwarr von lustigen Mätzchen.
Eine Sache haben sie alle gemeinsam, sobald ich mit dem Rügen aufhöre, kehren
sie alle wieder zu ihren gewohnten Aktivitäten zurück, ganz so, als wäre niemals 
etwas geschehen. Wer auch immer der Missetäter war, er wird sich ohne
Zweifel wieder für dieselbe Tat strafen lassen, weil es lustig war und er so
handeln wollte!
Sind Lhasas schwer zu erziehen?
Ja, es sei denn, sie wollen lernen, was Sie ihnen beibringen möchten.

Sind Lhasas dumm?
Nein, die meisten sind intelligent genug, ihren Herrn zu erziehen. Wie viele 
Lhasas kennen Sie, die ihre glücklichen Heime verloren haben, weil sie nicht
ein "normales" Hundewesen zeigten?
Nicht viele möchte ich wagen zu behaupten, verglichen mit der Anzahl die
glücklich im von ihnen "neu organisierten" Haushalt leben.

Ich bin überzeugt, daß Lhasas durch ihre hohe Intelligenz, ihre eigenen
unabhängigen Bedürfnisse zu bewahren wissen!
Ich glaube, sie sind intelligent genug, um Kompromisse einzugehen. Das bedeutet 
z. B.: "Ich werde im Showring herumlaufen für einen leckeren Happen
oder für ein Leben zu Hause, das mir alles erlaubt, was ich tun will". Oder
sie führen Gehorsamkeitsprüfungen aus, für das Privileg, die meiste Zeit auf
dem Sofa liegen zu dürfen. Oder sie gestatten Ihnen, sie gut gepflegt zu halten
für den Vorzug, jede Nacht in Ihrem Bett schlafen zu dürfen.
Mit einem Lhasa Apso zu leben, bedeutet eine Partnerschaft zu führen, in der
jede Partei Rechte hat. Der unterwürfige Lhasa ist selten und untypisch.
Es ist meine große Hoffnung, als Lhasa Apso Züchterin und Liebhaberin seit vielen
Jahren, daß der spezielle Charakter, der so typisch ist für den Lhasa Apso,
bewahrt wird, denn wenn er verloren geht, so auch das bedeutendste 
Charakteristikum, welches den Lhasa von anderen langhaarigen Rassen 
unterscheidet.
Wenn Sie einen langhaarigen Hund mit typischen Hundewesen suchen, so stehen
so viele zur Wahl! - Ich beschwöre Sie - , verändern Sie nicht den Lhasa Apso
Charakter, um ihn typisch hündisch zu machen.
C. Herbel